Beim Friseur weiß ich nie, ob es eigentlich meine Pflicht ist, eine (gute) Unterhaltung zu starten. Oder wenigstens Small Talk. Aber ich schweige gern und tagträume, während der Friseur seine Sache macht. Vielleicht findet er es auch mal ganz schön, nicht zuhören zu müssen; nicht quatschen zu müssen. «Junge, frag ihn doch einfach!», brüllt plötzlich der Golfer, der mir gegenübersitzt. Er berichtet gerade davon, dass er nun täglich auf dem Platz steht, weil er neuerdings im Ruhestand ist. Bisschen zappelig ist der Kerl, macht mich ganz nervös. Wo war ich?
Oder der Friseur hasst diese Stille, die da nun einmal ist. Immerhin dudelt im Hintergrund das Radio, das muss doch reichen, denn ich habe heute leider keine Lust, zu sprechen. Zwischendurch werfe ich einen Blick auf die abgeschnittenen Haare und denke: ziemlich grau …
Der Golfer fährt seinen Bericht fort: Er würde auf dem Golfplatz stets ehemalige Kollegen treffen, die sind auch alle im Ruhestand. Er könne sich den Tag komplett neu einteilen, wunderbar. Ich denke kurz daran, dass ich wahrscheinlich noch zweihundert Jahre bis zu meiner Rente schuften muss. Was sind da schon fünfzehn Minuten beim Friseur, die ich schweigend verbringe?
PS: Offenbar gibt es in einigen Salons einen «Quiet Chair». Wer sich dorthin setzt, will die Fresse halten (und eine neue Frisur). Natürlich gibt es so etwas nicht in Hannover, nee, ditt gibt’s halt nur in Berlin, wa?